Andacht aus dem aktuellen Gemeindebrief

"Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind." (Koh 4, 6)

 

Liebe Gemeinde,


was haben wir im zurückliegenden Sommer nicht alles in die Hand genommen! Die Gartenharke, die Einmachgläser, den Telefonhörer, die Steuererklärung oder die Urlaubsplanung für nächstes Jahr. Vielleicht haben Sie ja auch Ferien gemacht, hielten einen Wanderstab in der Hand oder ließen sich am Meer etwas Sand durch die Finger rinnen.
Darüber, was wir eigentlich in der Hand haben, schreibt auch das Buch des Predigers (Kohelet). Wie kaum ein anderes Buch spricht es von der Unverfügbarkeit. Alles hat seine Zeit – beginnt ein berühmtes Gedicht innerhalb des Buches. Kunstvoll zeigt es, dass wir Menschen als Teil der Schöpfung nicht alles kontrollieren können und Machbarkeit Grenzen hat.
Der Monatsspruch für den September aus dem Buch des Predigers gibt uns in diesem Sinn einen Rat für den Weg in den kommenden Herbst: Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind. (Koh 4, 6)
Mit dieser Handvoll Ruhe meint der Prediger selbstverständlich nicht Müßiggang, sondern vielmehr innere Ruhe und das Annehmen der eigenen Grenzen. Es ist eine Stimme gegen den ständigen Druck zur Selbstoptimierung und überschießende Ambitionen. Denn wer beide Fäuste voll Mühe hat, kann mit diesen geschlossenen Händen nichts empfangen. Das weltliche Streben wird vom Buch des Predigers ohnehin als ein Haschen nach Wind beschrieben, was wir damit erreichen, ist flüchtig und wird uns doch wieder entgleiten. Der Monatsspruch weist uns darauf hin, dass ein einzelner Moment wertvoll ist und wir diesen als Geschenk aus Gottes Hand annehmen dürfen.
Ein schöner Begleitvers für einen Spaziergang, wenn sich die Blätter färben.

 

Ihre Pfarrerin
Anna-Christina Schmidt