Andacht aus dem aktuellen Gemeindebrief
„Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir für uns sind, und ruht ein wenig aus.“
(Mk 6, 31)
Der Ruf Jesu – kein Befehl, sondern Barmherzigkeit
Dieser Satz drängt nicht, er beruhigt. Jesus sieht die Müdigkeit der Jünger, die Zerrissenheit der Zeit, die Erschöpfung der Seele. Er gibt ihnen keine neue Aufgabe, sondern einen Raum: „Kommt… und ruht ein wenig.“ Ruhe ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Vertrauen. Jesus selbst ist der Ort der Geborgenheit und des Friedens.
Die Zeit als Gabe Gottes
Die Zeit ist uns nicht nur zum Arbeiten gegeben, sondern auch zum Innehalten. In der Hast verliert der Mensch sich selbst, in der Stille findet er Gott wieder. „Ein wenig“ auszuruhen heißt, die Zeit nicht zu verbrauchen, sondern sie zu heiligen. Jesus nimmt uns die Zeit nicht weg – er schenkt ihr Sinn.
Im Licht der Reformation
Martin Luther sagte: „Nicht unsere Werke erhalten die Welt, sondern allein Gottes Gnade.“ Ruhe ist ein Glaubensbekenntnis: Ich bin nicht der Erlöser. Wenn ich anhalte, spreche ich mit meinem Leben: Herr, du wirkst auch dann, wenn ich meine Lasten aus der Hand lege.
Einladung für heute
Jesus ruft auch uns: Komm zur Seite, komm zur Ruhe, komm zu mir. Die wahre Auszeit beginnt nicht im Kalender, sondern im Herzen, dort, wo die Zeit nicht mehr Gegner ist, sondern ein stilles Geschenk Gottes, dort, wo Christus sagt: „Ruhe nun in mir.“
In diesem Sinn wünsche ich allen Leserinnen und Lesern des Gemeindebriefs friedvolle und erholsame Sommerferien.
Ihr Vertretungspfarrer
László Szilágyi